DÜV-News

Stellungnahme zum Beitrag des RSI betreffend die öffentlichen Ausschreibungsverfahren beim Bund

Kürzlich strahlte das Radio der italienischen Schweiz in seiner Nachrichtensendung einen Beitrag zu den öffentlichen Ausschreibungen des Bundes im Übersetzungsbereich aus (https://www.rsi.ch/rete-uno/programmi/informazione/radiogiornale/Radiogiornale-sera-11398377.html). In der Sendung äusserte sich Roxane Jacobi, die Vizepräsidentin des ASTTI, des Schweizerischen Übersetzer-, Terminologen- und Dolmetscherverbands, kritisch über das Auftragsvergabeverfahren.

Die DÜV bedauert die Entwicklung bei gewissen Sprachdiensten des Bundes und einigen bundesnahen Betrieben ebenfalls zutiefst. Ergänzend zum Beitrag des Radiogiornale ist zu erwähnen, dass im Moment nur zwei Departemente einen Teil ihrer Übersetzungen mittels öffentlicher Ausschreibungen vergeben. Die übrigen Departemente sehen davon ab, da öffentliche Ausschreibungen für die betroffenen Sprachdienste nachweisbar mit einem grossen administrativen Mehraufwand verbunden sind. Auch sind die Sprachdienste nicht wirklich verpflichtet, Ausschreibungen vorzunehmen. Die massgeblichen Kriterien lassen sich innerhalb des gesetzlichen Rahmens nämlich durchaus so festlegen, dass die Schwellenwerte gemäss BöB (Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen) nicht erreicht werden.

Zu bedauern ist des Weiteren, dass bei den Ausschreibungsverfahren einige externe Übersetzerinnen und Übersetzer, die seit Jahren zur vollsten Zufriedenheit der entsprechenden Sprachdienste gearbeitet haben und mit der Fachterminologie bestens vertraut sind, plötzlich ohne Rahmenvertrag dastehen oder, falls sie nach einem aufwändigen Angebotsverfahren den Zuschlag erhalten haben, anlässlich der Mini-Tender nun in Konkurrenz mit branchenfremden Übersetzern stehen, welche Angebote zu Tiefstpreisen abgeben, um einen Auftrag zu ergattern, dann aber zweifelhafte Qualität liefern. So hat der Sprachdienst eines Bundesamtes erst kürzlich eine Übersetzung zu einem Spottpreis ins Ausland vergeben. Die gelieferte Übersetzung erwies sich dann aber als unbrauchbar und musste unter grossem Aufwand von den internen Übersetzern nachgebessert werden.

Auch das von Bundesseite vorgebrachte Argument, dank den öffentlichen Ausschreibungen könne man neue Talente entdecken, vermag wenig zu überzeugen. An Spontanbewerbungen für die begehrten Bundesaufträge mangelt(e) es fürwahr nicht. Über die Fähigkeiten interessanter KandidatInnen würde eine formlose Probeübersetzung ebenso Aufschluss geben wie ein aufwändiges Verfahren, bei dem die Anbietenden zunächst ein detailliertes Dossier erstellen, Dritte um Referenzen bemühen und ein Assessment über sich ergehen lassen müssen, in dessen Zuge die betroffenen Sprachdienste Dutzende von Dossiers auswerten und noch mehr Probeübersetzungen korrigieren müssen, statt selbst produktiv tätig zu sein. In einigen Fällen schien die vom Verfahren ausgehende Arbeitslast sogar so gross gewesen zu sein, dass es bei der Ermittlung der Punktzahlen zu Rechenfehlern gekommen ist und die Anbietenden falschen Kategorien zugeordnet wurden, was sich wiederum nachteilig auf ihre Erfolgsaussichten anlässlich der Mini-Tender auswirkt.

Wie die Erfahrung der letzten vier Jahre gezeigt hat, bergen öffentliche Ausschreibungen im Übersetzungsbereich kaum Sparpotenzial. Im Gegenteil, durch die Vergabe von Übersetzungen ins Ausland entgehen dem Bund zudem Steuer- und Sozialversicherungseinnahmen. Erhalten die in der Schweiz wohnhaften Übersetzerinnen und Übersetzer weniger Aufträge, sinkt letzten Endes auch ihre Kaufkraft, was sich wiederum auf die restliche Wirtschaft negativ auswirkt.

Die DÜV teilt die Meinung, dass mit Steuergeldern haushälterisch umgegangen werden muss. Dass öffentliche Ausschreibungen der richtige Weg sind, wagt sie jedoch zu bezweifeln, insbesondere angesichts der Tatsache, dass gerade im Übersetzungsbereich Erfahrung, Landes- und Branchenkenntnisse der Beauftragten besonders wichtig sind.

Eine Arbeitsgruppe der DÜV hat mit mehreren Sprachdiensten des Bundes Gespräche geführt und wird nun die ihr gebotene Gelegenheit nutzen, Vorschläge zur Verbesserung des Verfahrens zu unterbreiten.

Abb.: Der DÜV-Präsident, die verdiente Gewinnerin und die Geschäftsführerin der DÜV (v.l.n.r.)

DÜV Excellence Award

Anlässlich der Diplomfeier vom 31. Oktober 2018 an der ZHAW hat die DÜV erstmals ihren Excellence Award verliehen.
Dieses Jahr ging der mit CHF 1’800.00 dotierte Preis an Nathalie Dominique Nüssli für ihre ausgezeichnete Masterarbeit mit dem Titel „Übersetzen in die Leichte Sprache: Übersetzungsprobleme, Übersetzungslösungen und Auswirkungen auf das Textverständnis von Menschen mit Downsyndrom“.

Darin hat die Übersetzerin untersucht, wie Personen mit Downsyndrom einen medizinischen Text in einfacher Sprache aufgenommen haben und gleichzeitig auf die Risiken der sogenannten Leichten Sprache hingewiesen. Mehr Informationen:

https://www.facebook.com/zhawiued/photos/a.371744892865720/2398937520146437/?type=3&comment_id=2402265226480333

Die DÜV wird Mitglied der AföB

Am 17. September 2018 ist die DÜV der Allianz für ein fortschrittliches Beschaffungswesen (AföB) beigetreten. Die AföB ist ein Zusammenschluss von Verbänden und Organisationen, deren Mitglieder intellektuelle Dienstleistungen an öffentliche Auftraggeber anbieten. Sie vertritt die Interessen von 27 Verbänden mit rund 3’600 Firmen und 36’650 Einzelmitgliedern und setzt sich für ein Beschaffungsrecht ein, das auch im Bereich der intellektuellen Dienstleistungen einen echten Preis-Leistungs-Wettbewerb ermöglicht.

Da im Bereich des Übersetzens und Dolmetschens immer häufiger Ausschreibungen vorgenommen werden, freut sich die DÜV, mit der AföB ein starkes Partnernetzwerk an ihrer Seite zu wissen.